Stand: 27.01.2004
Länder - Literatur - Reisen
 
Vom Jauf zum indischen Ozean









Der Jol ist flach und eben. Wandert man über das Plateau, ahnt man nicht, wie zerspalten und zernarbt diese Hochfläche ist. Bevor man nicht fußbreit an der Abbruchkante steht, sind die senkrecht abstürzenden Täler unsichtbar. Die meisten Menschen wird die Monotonie, die trostlose Einförmigkeit abstoßen, und sie meiden das rauhe, unwirtliche Tafelland. Auf mich aber übt es einen besonderen Reiz aus. Der Jol läßt mich die Unermesslichkeit des Raumes und der Zeit spüren. Weitab von der Menschenwelt ist man dem Himmel nah. Alles Beengende verschwindet. Die sonnenüberflutete Fläche zieht mich in ihren Bann, die klare Luft füllt mich aus, und mir ist, als sei ich ein Weggenosse des Windes geworden.

(C. Rohrbach,
"Im Reich der Königin von Saba")

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Jauf Aus dem Hadramaut fuhren wir hoch auf die Hochebene zwischen Hadramaut und indischem Ozean, dem Dschol. Selbst im Vergleich zum gerade verlassenem Hadramaut, ist diese Hochebene unwirtlich und lädt nicht zum Verbleiben ein. In früheren Zeiten muss es eine Quälerei gewesen sein mit einer Karawane diese Gegend zu durchqueren, heute führt eine Strasse schnell und sicher durch diese unwirtliche Landschaft. Freya Stark schrieb über den Dschol:
"Der Dschol hat den Zauber und das Bedrohliche der Ungeheuerlichkeit sowohl des Raumes, als auch der Zeit. Wenn man zu seiner sonnengebadeten Fläche emporsteigt, ist die Welt der Menschen versunken; die Natur allein ist hier am Werk, in ihren Millenien das Erdbild modellierend, ihre Zeitabgründe sichtbar machend in Stein."
Nur eine kurze Pause in der Mitte dieses Niemandslandes und dann weiter an den indischen Ozean.

Mukalla Hafen Nach der langen Zeit im staubigen Innern des Landes, bot der indische Ozean eine wundervolle Abwechslung für die Sinne: das sanfte Blau des Ozeans, der Geruch des Meeres und das sanfte Rauschen der Wellen. Man ist irgendwie erleichtert, auch wenn man sich eigentlich nie bewusst bedrückt gefühlt hat, aber gerade der Dschol hat wohl doch einen tieferen Eindruck hinterlassen, als man es sich vielleicht selber eingestanden hat.

Wirklich amüsant wurde es im Hotel in Mukalla, theoretisch hätte es warmes Wasser geben sollen, allerdings hatte der hiesige Klempner den Warmwasserhahn mit dem Kaltwasserzufluss des Boilers verbunden. Dies konnte man wirklich gut verfolgen, da alle Rohre etwa 10 cm über dem Putz verlegt worden waren. Interessanterweise war ich wohl der einzige der dies erkannte, allerdings wurde dann später noch der Hotelmanager eingeschaltet, dem ich dann anhand des Rohrverlaufs dann doch noch klar machen konnte, das alle Wasserhähne letztendlich am selben Rohr hingen, und dieses kaltes Wasser enthielt.

Meine Erwartungshaltung in Bezug auf Luxus im Jemen war von vornherein nicht hoch und auch in Seyun war warmes Wasser nur zu bestimmten Zeiten vorhanden. Wenn man andererseits schon ein Hotel hat, dass theoretisch die Möglichkeit von fliessend Warmwasser bietet, so wollte ich schon versuchen diesen Luxus zu ergattern.

Interessanterweise führte ein Warmwasserrohr vom Boiler durch die Wand in ein anderes Zimmer und das T-Stück war einfach nur an der falschen Seite montiert worden und nachdem ich in dieses Zimmer gewechselt hatte, gab es auch warmes Wasser, aber ich glaube diese Tatsache wurde mehr als Wunder abgetan, als dass es als Bestätigung meiner Rohrtheorie anerkannt wurde.

Brotbäcker in Mukalla Den Abschluss fand der Tag mit einem Abendessen an offener Strasse, wo jeder einen riesigen gegrillten Fisch bekam, dazu ein Berg frischen Fladenbrotes und eine Art Gemüseratatouille. Das ganze auf Zeitungspapier und einigen Tellern serviert. Ehrlich gesagt habe ich selten mit mehr Genuss Fisch gegessen, ein perfekter Abend.