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Aus dem Hadramaut fuhren wir hoch auf die Hochebene zwischen Hadramaut und indischem
Ozean, dem Dschol. Selbst im Vergleich zum gerade verlassenem Hadramaut, ist diese Hochebene
unwirtlich und lädt nicht zum Verbleiben ein. In früheren Zeiten muss es eine Quälerei
gewesen sein mit einer Karawane diese Gegend zu durchqueren, heute führt eine Strasse schnell
und sicher durch diese unwirtliche Landschaft. Freya Stark schrieb über den Dschol:
"Der Dschol hat den Zauber und das Bedrohliche der Ungeheuerlichkeit sowohl des Raumes, als
auch der Zeit. Wenn man zu seiner sonnengebadeten Fläche emporsteigt, ist die Welt der Menschen
versunken; die Natur allein ist hier am Werk, in ihren Millenien das Erdbild modellierend,
ihre Zeitabgründe sichtbar machend in Stein."
Nur eine kurze Pause in der Mitte dieses Niemandslandes und dann weiter an den indischen Ozean.
Nach der langen Zeit im staubigen Innern des Landes, bot der indische Ozean eine wundervolle
Abwechslung für die Sinne: das sanfte Blau des Ozeans, der Geruch des Meeres und
das sanfte Rauschen der Wellen. Man ist irgendwie erleichtert, auch wenn man sich eigentlich
nie bewusst bedrückt gefühlt hat, aber gerade der Dschol hat wohl doch einen tieferen Eindruck
hinterlassen, als man es sich vielleicht selber eingestanden hat.
Wirklich amüsant wurde es im Hotel in Mukalla, theoretisch hätte es warmes Wasser geben sollen,
allerdings hatte der hiesige Klempner den Warmwasserhahn mit dem Kaltwasserzufluss des
Boilers verbunden. Dies konnte man wirklich gut verfolgen, da alle Rohre etwa 10 cm über
dem Putz verlegt worden waren. Interessanterweise war ich wohl der einzige der dies erkannte,
allerdings wurde dann später noch der Hotelmanager eingeschaltet, dem ich dann anhand des
Rohrverlaufs dann doch noch klar machen konnte, das alle Wasserhähne letztendlich am selben
Rohr hingen, und dieses kaltes Wasser enthielt.
Meine Erwartungshaltung in Bezug auf Luxus im Jemen war von vornherein nicht hoch
und auch in Seyun war warmes Wasser nur zu bestimmten Zeiten vorhanden. Wenn man andererseits
schon ein Hotel hat, dass theoretisch die Möglichkeit von fliessend Warmwasser bietet,
so wollte ich schon versuchen diesen Luxus zu ergattern.
Interessanterweise führte ein Warmwasserrohr vom Boiler durch die Wand in ein anderes Zimmer
und das T-Stück war einfach nur an der falschen Seite montiert worden und nachdem ich in
dieses Zimmer gewechselt hatte, gab es auch warmes Wasser, aber ich glaube diese Tatsache
wurde mehr als Wunder abgetan, als dass es als Bestätigung meiner Rohrtheorie anerkannt
wurde.
Den Abschluss fand der Tag mit einem Abendessen an offener Strasse, wo jeder einen
riesigen gegrillten Fisch bekam, dazu ein Berg frischen Fladenbrotes und eine Art
Gemüseratatouille. Das ganze auf Zeitungspapier und einigen Tellern serviert. Ehrlich
gesagt habe ich selten mit mehr Genuss Fisch gegessen, ein perfekter Abend.
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