Unter Voice over IP (VoIP) versteht man eine Technik, mit der man Sprache über
ein Netzwerk mittels des IP-Protokolls überträgt. Gemeinhin meint man damit Telefonieren über
das Internet - aber nicht notwendigerweise immer Internet, allerdings beschränken wir uns mal hier auf diese
Sichtweise.
Damit zwei oder mehr Teilnehmer miteinander telefonieren können, muss zwischen diesen eine
Netzwerkverbindung existieren, was für alle am Internet hängenden Computer gilt. Im Prinzip
ist die Technik nicht viel anders als bei anderen Internetanwendungen auch. An beiden Rechnern
wird das gesprochene Wort über ein Mikrofon aufgenommen, digitalisiert und die digitalen
Informationen über das Internet zum Empfänger übertragen,
wo das ganze dann über einen Lautsprecher ausgegeben wird.
Was macht das ganze jetzt eigentlich so kompliziert ?
Es gibt verschiedene praktische Probleme, die zunächst gelöst werden müssen:
Datenmenge - Ähnlich wie Musik, kann die Datenmenge sehr gross sein. Im Bereich
Musik hat sich daher MP3 durchgesetzt, dass ohne grosse Qualitätsverluste der Musik eine
Komprimierung der Daten erlaubt. Aber selbst da, sind die Daten noch sehr gross, also muss man
die Datenmenge weiter komprimieren. Das ist aber nicht ungewöhnlich, wenn Sie mal Musik durch ein
Handy hören, stellen Sie fest, dass die Qualität wirklich miserabel ist, Sprache ist hingegen
gut zu verstehen. Also ist bei Sprache durchaus eine höhere Komprmierung möglich, als bei Musik.
Quality of Service (QoS) - bei herkömmlichen Telefonverbindung besteht eine direkte
Verbindung zwischen den beiden Teilnehmern, die während der Verbindung bestehen bleibt. Das gilt
im Internet nicht, hier wird das gesprochene Wort in viele kleine Datenpakete zerlegt, die auf
unterschiedlichen Wegen zum Empfänger gelangen, dabei können die Laufzeiten der Pakete
unterschiedlich sein und wenn im Moment viel Verkehr im Internet ist, verzögert sich die
Übertragung noch mehr.
Daher auch die Entwicklung guter Kompressionsalgorithmen, so dass möglichst wenig Daten übertragen
werden müssen und auch fehlende Datenpakete (weil zu langsam) ausgeglichen werden können.
Nun hat in den letzten Jahren die verfügbare Bandbreite im Internet zugenommen (allerdings auch der
Traffic), so dass die Laufzeiten einigermassen garantiert werden können.
Ein weiterer (zukünftiger) Faktor ist ein QoS Merkmal im Protokoll, was bedeutet, dass das jeweilige
Datenpaket eine besondere Priorität erhält und bevorzugt behandelt wird. Dies ist nicht unbedingt
Zukunftsmusik, im Bereich der Telkos findet solche Technik immer mehr Einzug, aber die werden sich
solche Dienste dann in Zukunft auch bezahlen lassen.
Erreichbarkeit - bevor ich jemanden anrufen kann, muss ich dessen Telefonnummer kennen.
Das ist im Internet nicht anders. IP-Adressen werden häufig dynamisch zugewiesen, so dass diese
zum Anrufen nicht wirklich geeignet sind, dazu kommt, dass viele Rechner hinter Firewalls verborgen
sind und intern eine ganz andere Adresse haben, als im Internet (Stichwort: NAT - Network Adress
Translation). Die Lösung ist, Server bereitzustellen, bei denen sich die Telefone anmelden, und Ihre
aktuelle Adresse mitteilen, dazu muss aber jedem Telefon eine eindeutige Telefon Nummer zugewiesen
werden. Diese Nummer muss genauso eindeutig sein, wie eine Festnetz-Telefonnummer. Der Server stellt dabei
die Vermittlungsstelle dar, die immer weiss, welche Telefonnummern momentan aktiv sind, und wie man
diese erreichen kann.
Möchte ich also einen anderen Teilnehmer anrufen, so muss ich dessen eindeutige Nummer kennen, mein
Telefon fragt dann den Vermittlungsserver, wie es den anderen Teilnehmer erreichen kann und baut
die Verbindung auf.
Einheitliche Standards - Damit das ganze gut funktioniert, müssen sich die Telefone und
Server untereinander verständigen können, also dieselben Protokolle sprechen. Das war lange Zeit
ein grosses Hindernis, dazu kommt noch, dass bestimmte Features für die vielfältigen Probleme im
Internet notwendig sind, die eine beständige Weiterentwicklung der Protokolle notwendig macht.
Inzwischen haben sich einige Protokolle herauskristallisiert, die zum einen alle notwendigen Features
enthalten und zum anderen offen und dokumentiert sind. Dazu gehört das SIP-Protokoll, das sich
anscheinend als Standard durchzusetzen vermag. Das heist aber umgekehrt nicht, das jedes SIP fähige
Gerät alle Features unterstützt.
Internet vs. normales Telefon - das normale Telefon hat zwei riesige Vorteile, es ist zum
einen weit verbreitet und funktioniert international ohne weiter Kenntnisse, zum anderen ist es eigentlich
immer errichbar (was Nachts um drei im Tiefschlaf viellicht gar kein Vorteil ist). Ausserdem ist es mit
seinem Hörer und der Wählscheibe :-) sehr einfach zu bedienen.
Nun für die einfache Bedienung und den dauerhaften Anschluss gibt es inzwischen auch SIP basierte Telefone
zu kaufen, die äusserlich nichts von einem normalen Telefon unterscheidet und genauso bedient werden.
Der ander Punkt ist die weite Verbreitung, es gibt ein paar Menchen mehr mit normalem Telefonanschluss, als
mit SIP-Anschluss.
Heisst das jetzt, dass ich nur mit Leuten telefonieren kann, die ebenfalls ein SIP Telefon
haben und ansonsten mit niemanden ? Jein, die Situation ist in etwa vergleichbar mit Handys, dort gibt es auch einen Provider (z.B.
Vodafone, e-Plus oder T-Mobil), der eine Verbindung vom eigenem Netz zu den anderen Netzen herstellt.
Einen solchen Provider braucht man auch für ein SIP-Telefon, d.h. ein Server der eine Verbindung von
meinem Internet-Telefon zu einem Festnetz-Telefon (oder auch Handy) herstellt.Solche Anbieter befinden
sich gerade im Aufbau - und wir können mal beruhigt davon ausgehen, dass sich auch die grossen Telkos
in absehbarer Zeit dort tummeln werden, schliesslich wird das auch wieder Gebühren kosten.
Warum dann überhaupt SIP-Telefonie ?
Kosten - eigentlich lohnt sich ein SIP Telefon nur bei einer Flatrate, oder einem Volumentarif, mit
einem Breitbandzugang (also DSL). Wenn Sie sich erst ins Internet einwählen müssen, müssen Sie ja dafür
auch Gebühren zahlen, und es ist dann nicht unbedingt günstiger, als direkt anzurufen. Aber mal etwas genauer:
SIP2SIP - bei einem Gespräch zwischen zwei SIP Teilnehmern fallen in der Regel keine Gebühren an
(und wenn doch suchen Sie sich eien anderen - zusätzlichen - Provider). Gebühren fallen allerdings für
den Internetzugang an, also bei einer Flatrate keine zusätzlichen Kosten, bei einem Volumenttarif, geht
natürlich Volumen von ihrem Tarif ab, evtl. müssen Sie ihren Tarif aufstocken wenn Sie extrem viel telefonieren.
Bei einem Einwahltarif, zahlen Sie natürlich für die Einwahl, ob es sich lohnt, müssen Sie selber wissen.
SIP2Festnetz - hier ist die Lage etwas komplizierter.
Zunächst hat ihr Betreiber selber Kosten, nämlich die Gebühren für das weiterleiten Ihres Gesprächs in das
jeweilige Netz. Diese wird er, mit einem Aufschlag, Ihnen in Rechnung stellen. Also auch bei einer Flatrate
kommen Gebühren auf Sie zu, diese können aber tatsächlich günstiger sein als bisher, aus zwei Gründen:
Ihr Provider kann natürlich Sonderkonditionen aushandeln, da er eine grosse Anzahl von Gesprächen in
das jeweilige Festnetz vermittelt und auch das Inkasso-Risiko trägt. Dadurch wird er auch mit Aufschlag
ein marktübliches Angebot machen können.
Sie führen evtl. keine Ferngespräche mehr. Sie kriegen von Ihrem Provider eine Telefonnummer, die nicht
unbedingt in Ihrer Stadt liegt. Also Sie wohnen z.B. in München und kriegen eine Telefonnummer mit Vorwahl
Köln zugewiesen. Wenn Sie jetzt per SIP in Köln anrufen, ist das ein Ortsgespräch.
Das ganze wird noch günstiger, wenn Sie häufig im Ausland anrufen und sich dort einen SIP Provider mit einer
lokalen Telefonnummer beschaffen. Stellen Sie sich vor, Sie haben Verwandte in den USA und sie lassen sich eine
amerikanische SIP Nummer geben, dannn wird jedes Gespräch zu einem inner-amerikanischen Gespräch und damit in
der Regel billiger, als wenn Sie über das Festnetz anrufen.
Weltweit unter einer Nummer erreichbar - where ever i lay my notebook, that's my home -
Unter der von Ihnen gewählten SIP-Nummer sind sie weltweit erreichbar, so lange Sie einen Internetanschluss
und die entsprechende Software haben. Wenn ich z.B. eine Kölner SIP-Nummer habe, mich aber in den USA mit
meinem Notebook ans Internet hänge, bin ich auch dort unter meiner Kölner Nummer erreichbar und ich
kann aus den USA ein Ortsgespräch in Köln führen, dann lohnt sich auch die Einwahl per Modem (auch wenn
die Qualität dann wirklich bescheiden ist).
Also ganz ähnlich wie ein Handy, bloss das die Roaming Gebühren wegfallen -
übrigens funktioniert ihr Handy in den USA nicht unbedingt ;-)
So gesehen ist Ihre SIP-Nummer die bessere 0700-Nummer.
Ganz ohne Probleme geht das ganze dann aber doch nicht, wenn Sie von zwei verschiedenen Standorten aus
versuchen per SIP zu telefonieren, dürfte das einige Probleme geben - ich habe das zwar noch nicht ausprobiert,
aber ich schätze mal, dass es dann massive Zuordnungsprobleme gibt, obwohl das Protokoll zumindest ausgehende
Gespräche zulassen würde.
Mehrere Telefonnummern - niemand hindert Sie mehrere Nummern bei mehreren Providern zu beantragen,
so dass Sie in unterschiedlichen Ländern und Städten günstig telefonieren können.
Eigene Nummer ohne Anschluss - Sie können auch ohne eigenen Telefonanschluss eine eigene
Telefonnummer haben und damit telefonieren und angerufen werden, z.B. in einer WG könnte jeder eine eigene
Nummer über einen gemeinsamen DSL Anschluss haben.
Anwendungsszenarien:
Es ist bereits ein Breitbandanschluss vorhanden, oder in nächster Zeit geplant. Sie haben nichts zu verlieren
und können es einfach ausprobieren.
Viele Leute mit denen Sie häufig telefonieren, haben bereits SIP oder einen Breitbandanschluss. Dann wird
es für Sie und ihre Bekannten evtl. billiger, wenn Sie umsteigen.
Sie telefonieren häufig ins Ausland und haben dort die Möglichkeit sich bei einem lokalen SIP Provider
anzumelden.
Natürlich kann es auch einfach als Ersatz zum bestehenden Telefon eingesetzt werden. Beim nächsten Umzug behalten
Sie einfach ihre Nummer :-)
Die folgenden Protokolle / Technologien werden für VoIP benötigt:
SIP (Session Initiation Protocol) - ist ein Protokoll, mit dem eine Telefonverbindung
initialisiert werden kann. Über dieses Protokoll meldet sich das Telefon an, stellt neue Verbindungen her, bzw.
wird über eine eingehende Verbindung benachrichtigt.
RTP (Real-time Transport Protocol) - über diese Protokoll werden die Sprachdaten bei einem Gespräch
übertragen.
STUN (Simple Traversal of UDP Through NATs) - Über das STUN-Protokoll, bzw. durch einen STUN-Server
können Probleme, die sich durch Router und Firewalls ergeben umgangen werden. Ein Router oder eine Firewall
verbergen ein internes Netzwerk vor dem Internet, in dem Sie interne Netzwerkadressen nach aussen umwandeln
(NAT = Network Adress Translation). Ein wichtiges Ziel beim STUN ist es zunächst einmal überhaupt mitzukriegen
welche Art von Firewall vorliegt, dann kann eine Ausweichstrategie gefunden werden.
ENUM (tElephone NUmber Mapping) - mittels dieses Protokolls können Internetadressen und Telefonnummern
unter einen Hut gebracht werden. Es ist im Prinzip dasgleiche Prinzip wie beim DNS (dort werden Namen wie
"www.morgenlan.de" in IP-Adressen übersetzt, z.B. "127.0.0.1"). Vereinfacht ausgedrückt verweist
iin ENUM Eintrag entweder auf eine Telefonnummern, oder auf eine IP-Adresse.
Ist natürlich alles ein bisschen komplizierter, aber
wer es genauer wissen will findet bei www.denic.de eine gute Beschreibung.
Es gibt natürlich auch immer neue Entwicklungen, aber dies sind die wesentlichen Bestandteile für die
Infrastruktur bei VoIP.
Zunächst einmal, ich habe wirklich keine Zeit persönlichen Support zu leisten. Also Emails mit diesem
Hintergrund fliegen gleich raus. Aber ich bin gerne bereit inhaltliche Fehler zu beseitigen, oder
zusätzliche Informationen einzupflegen, in dem Fall mail an
sd@morgenlan.de.
Mehr Tipps für Privatanwender zum Einstieg in VoIP finden sich auch auf der Seite:
So für alle, die bis hierhin gekommen sind, der restliche Text ist nur für den
Wettbewerb bei heise und kann getrost ignoriert werden, aber wen es trotzdem interessiert,
hier ein paar Links zu meinen Seiten für den Wettbewerb: